Zur 125-Jahre-Jubiläumsfeier von Schorch haben Sie Handball-Trainer Heiner Brand als Gastredner eingeladen. Brauchen die Mitarbeiter neue Motivation?
Schmidt Motivation kann nie schaden. Der Vortrag von Heiner Brand war sehr interessant. Ich habe ihm danach direkt angeboten, bei uns zu arbeiten. Es gibt für uns aber noch einen anderen Grund, warum wir Heiner Brand eingeladen haben. Er ist Weltmeister, und wir wollendas mit Schorch werden.
Das sah vor zwei Jahren aber eher nach Kreisklasse aus. Millionenverlust, Entlassungen, verspätete Gehaltszahlungen. Die Firma stand vor dem Aus.
Schmidt Die früheren Eigentümer haben dem Unternehmen nicht genützt. Schorch war am Abgrund. Aber das ist vorbei. Das Vertrauen ist wieder da. Wir bringen wieder Ruhe in die Firma.
Was haben Sie mit Schorch vor?
Schmidt Ein Mitarbeiter von uns hat das kürzlich im Interview treffend formuliert. Schorch-Maschinen waren der ,Mercedes unter den Elektromaschinen’, da müssen wir wieder hin. Schorch hat einen guten Namen, eine perfekte Technologie und die Auftragslage ist hervorragend. Der Laden brummt und alle ziehen hervorragend mit.
Wann schlägt sich das auch in den Gewinnen nieder?
Schmidt In diesem Jahr sind wir auf dem Weg in die Gewinnzone und zu nachhaltigen Gewinnen. Der Umsatz soll von 61 Millionen Euro im vorigen Jahr auf rund 85 Millionen Euro wachsen.
Wo wächst Schorch?
Schmidt Die Nachfrage aus der Energiebranche ist immens. Die Nachfrage nach Öl und Gas wird zum Teil mit Hilfe unserer Maschinen gestillt. Außerdem wollen wir den Service ausbauen, das After-Sales-Geschäft kann noch wachsen. Und im Ausland müssen wir noch viel stärker im Nahen Osten und in Russland tätig werden.
Welche Vorteile bringt der Großkonzern ATB dem Gladbacher Tochterunternehmen?
Schmidt Die neue Größenordnung, die ATB mit dieser Expansion erreicht hat, bringt zahlreiche Vertriebs- und Einkaufsvorteile durch ein fast verdoppeltes Beschaffungsvolumen. Bei ATB und auch in der gesamten A-Tec Industries haben wir sein sehr gutes Know-how, neue Gesellschaften in unseren Verbund zu integrieren und so Vorteile für alle Beteiligten zu schaffen.
Werden Abteilungen aus Gladbach verschwinden?
Schmidt Nein. Beim Einkauf wird es beispielsweise immer lokale Einkaufsstrukturen geben. Nur können wir jetzt etwa den weltweiten Einkauf von Stahl zentral koordinieren und so Preisvorteile erzielen.
Ihr Partner Mirko Kovats ist für radikale Sanierungsprogramme bekannt. Was kommt auf die Mitarbeiter zu?
Schmidt Wir wollen Arbeitsprozesse optimieren, Abläufe verbessern aber keine Menschen entlassen. Das Gegenteil ist der Fall. Wir suchen neue Leute, Fachkräfte, Techniker, Ingenieure. Wenn Sie sich unsere Unternehmensgeschichte anschauen, so stellen Sie fest: Wir bauen auf, nicht ab. Und wir haben einen langen Atem.
Schmerzt der Tarifabschluss der Metallindustrie?
Schmidt Naja, wir hätten uns etwas besseres vorstellen können. Wir können nur einen Teil der Kosten als höhere Preise an die Kunden weitergeben. Wir müssen eben versuchen, eine höhere Produktivität über eine höhere Menge hinzubekommen. Dann erhöht sich auch die Marge. Ich bin sicher, dass wir das mit der Belegschaft hinkriegen. Das ist ein gutes Team.
Wozu braucht Schorch dann drei Geschäftsführer?
Schmidt Wir sind mitten in der Restrukturierung. Da gibt es für jeden viel zu tun.
Michael Bröcker führte das Gespräch.